Die Zeit als Form des inneren Sinnes verstehen

Filmstreifen-Metapher für Kants Zeit als inneren Sinn

main7 soll erklären, warum Kant die Zeit anders behandelt als den Raum. Der Raum strukturiert, was außer uns erscheint. Die Zeit strukturiert, was in uns erscheint, und erreicht daher auch jede Erscheinung, die wir jemals erfahren.

ZENTRALE DEFINITIONEN ZUR ZEIT:

Begriff In einfachen Worten Kants Kernpunkt
Zeit
(engl. time)
Die eingebaute Form des Geistes für Abfolge, Dauer und Veränderung. Eine notwendige Vorstellung a priori, die allen Erscheinungen zugrunde liegt.
Innerer Sinn
(engl. inner sense)
Die Art, wie das Gemüt seine eigenen Zustände anschaut. Die Zeit ist die Form des inneren Sinnes.
Aufeinanderfolge
(engl. succession)
Ein Zustand nach dem anderen. Aufeinanderfolge ist nur unter Voraussetzung der Zeit denkbar.

Die fünf Thesen der metaphysischen Erörterung

  1. Die Zeit ist nicht empirisch: Abfolge und Zugleichsein setzen sie bereits voraus.
  2. Die Zeit ist notwendig und a priori: Erscheinungen können wegfallen; die Zeit als ihre Bedingung lässt sich nicht aufheben.
  3. Die Zeit begründet apodiktische Grundsätze: eine Dimension, Aufeinanderfolge, Nicht-Zugleichsein verschiedener Zeiten.
  4. Die Zeit ist Anschauung, nicht Begriff: Viele Zeiten sind nur Teile einer Zeit.
  5. Die Zeit ist unendlich als gegebenes Ganzes: Bestimmte Zeitstrecken sind Einschränkungen einer zugrunde liegenden Zeit.
$$ \text{Erfahrene Abfolge} \quad = \quad \underbrace{\text{Zeit}}_{\textit{a priori} \; \text{Form des inneren Sinnes}} \quad \times \quad \underbrace{\text{Vorstellungen}}_{\textit{a posteriori} \; \text{was erscheint}} $$

Warum die Zeit Veränderung und Bewegung erklärt

Kants entscheidender Schritt in §5 lautet: Veränderung ist nur in der Zeit verständlich. Ein Ding kann nur dann ohne Widerspruch A und später nicht-A sein, wenn die beiden Prädikate auf eine Aufeinanderfolge verteilt sind.

Nur in der Zeit können beide kontradiktorisch entgegengesetzten Bestimmungen in einem Dinge, nämlich nacheinander, anzutreffen sein.

Für E1 ist dies die zentrale didaktische Brücke:

  • der Raum erklärt die äußere Anordnung
  • die Zeit erklärt die innere Abfolge
  • Bewegung setzt beides voraus, doch ihre Verständlichkeit hängt von der Zeit ab

Was die Schlussfolgerungen zeigen müssen

  • Die Zeit ist nicht für sich bestehend.
  • Die Zeit ist keine Eigenschaft der Dinge an sich.
  • Die Zeit ist die Form des inneren Sinnes.
  • Die Zeit ist die unmittelbare Bedingung der inneren Erscheinungen und die mittelbare Bedingung der äußeren Erscheinungen.
  • Folglich hat die Zeit empirische Realität, aber nur transzendentale Idealität.

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