L0_A — Von der Zeit (A-Edition 1781)
Transscendentale Ästhetik · Zweiter Abschnitt
1) Die Zeit ist kein empirischer Begriff, der irgend von einer Erfahrung abgezogen worden. Denn das Zugleichsein oder Aufeinanderfolgen würde selbst nicht in die Wahrnehmung kommen, wenn die Vorstellung der Zeit nicht a priori zum Grunde läge. Nur unter deren Voraussetzung kann man sich vorstellen: daß einiges zu einer und derselben Zeit zugleich oder in verschiedenen Zeiten nach einander sei.
2) Die Zeit ist eine nothwendige Vorstellung, die allen Anschauungen zum Grunde liegt. Die Zeit selbst kann man nicht aufheben, ob man zwar ganz wohl die Erscheinungen aus der Zeit wegnehmen kann.
3) Auf diese Nothwendigkeit a priori gründet sich auch die Möglichkeit apodiktischer Grundsätze von den Verhältnissen der Zeit. Sie hat nur eine Dimension: verschiedene Zeiten sind nicht zugleich, sondern nach einander. Diese Grundsätze können aus der Erfahrung nicht gezogen werden, denn diese würde weder strenge Allgemeinheit noch apodiktische Gewißheit geben.
4) Die Zeit ist kein discursiver oder allgemeiner Begriff, sondern eine reine Form der sinnlichen Anschauung. Verschiedene Zeiten sind nur Theile eben derselben Zeit.
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5) Die Unendlichkeit der Zeit bedeutet nichts weiter, als daß alle bestimmte Größe der Zeit nur durch Einschränkungen einer einigen zum Grunde liegenden Zeit möglich sei.
a) Die Zeit ist nicht etwas, was für sich selbst bestände, oder den Dingen als objective Bestimmung anhinge. Dieses letztere findet dagegen sehr wohl statt, wenn die Zeit nichts als die subjective Bedingung ist, unter der alle Anschauungen in uns statt finden können.
b) Die Zeit ist nichts anders, als die Form des innern Sinnes, d. i. des Anschauens unserer selbst und unsers innern Zustandes. Sie gehört weder zu einer Gestalt oder Lage; dagegen bestimmt sie das Verhältniß der Vorstellungen in unserm innern Zustande.
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c) Die Zeit ist die formale Bedingung a priori aller Erscheinungen überhaupt. Die Zeit ist eine Bedingung a priori von aller Erscheinung überhaupt und zwar die unmittelbare Bedingung der inneren und eben dadurch die mittelbare der äußeren Erscheinungen.